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Futterdeklaration richtig lesen: Was die Zutatenliste wirklich verrät

  • Autorenbild: Hundefutter Check
    Hundefutter Check
  • 16. Okt. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen


Offene vs. geschlossene Deklaration

In der Futtermittelverordnung wird zwischen zwei grundlegend verschiedenen Deklarationsarten unterschieden, die sich erheblich in ihrem Informationsgehalt unterscheiden. Die geschlossene Deklaration fasst Zutaten in gesetzlich definierten Gruppenbezeichnungen zusammen — etwa „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" oder „pflanzliche Nebenerzeugnisse". Das klingt zunächst harmlos, verschleiert aber, welche Bestandteile tatsächlich verarbeitet wurden. Hinter „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" kann sich hochwertiges Muskelfleisch verbergen, ebenso aber Schlachtabfälle wie Lunge, Milz, Bindegewebe oder Federmehl. Für den Verbraucher ist das schlicht nicht nachvollziehbar, und genau darin liegt das Problem.


Die offene Deklaration hingegen listet jede Zutat einzeln auf, idealerweise mit prozentualer Angabe. Eine Angabe wie „30 % Hühnerfleisch, 15 % Hühnerleber, 10 % Hühnerherz" gibt ein deutlich klareres Bild als die Sammelbezeichnung. Der Hundehalter kann erkennen, welche Fleischsorten verwendet wurden, in welchem Verhältnis sie zueinander stehen und wie hoch der gesamte tierische Anteil tatsächlich ist. Grundsätzlich gilt: Je transparenter ein Hersteller deklariert, desto besser lässt sich die Futterqualität beurteilen. Eine offene Deklaration ist kein gesetzlicher Standard, sondern eine freiwillige Leistung des Herstellers — und genau das macht sie als Qualitätsmerkmal so aussagekräftig. Wer freiwillig mehr preisgibt, als er müsste, hat in der Regel auch weniger zu verbergen.


Zwischen diesen beiden Extremen gibt es zahlreiche Mischformen. Manche Hersteller deklarieren teilweise offen, benennen also die Hauptfleischquelle mit Prozentangabe, fassen aber die restlichen Zutaten in Gruppenbezeichnungen zusammen. Das ist besser als eine vollständig geschlossene Deklaration, aber es bleibt eine Grauzone. Hundehalter sollten sich angewöhnen, zuerst auf die Vollständigkeit der Deklaration zu achten, bevor sie sich mit den einzelnen Inhaltsstoffen beschäftigen.


Die Reihenfolge der Zutaten und das Splitting-Problem

Ein häufig unterschätztes Detail der Zutatenliste: Sie ist absteigend nach Gewichtsanteil zum Zeitpunkt der Verarbeitung sortiert. Was an erster Stelle steht, macht den größten Anteil im fertigen Futter aus. Steht dort „Getreide" oder „pflanzliche Nebenerzeugnisse", ist der Fleischanteil in der Regel untergeordnet. Steht hingegen eine klar benannte Fleischsorte an erster Position, deutet das auf einen höheren tierischen Anteil hin. Diese Reihenfolge ist gesetzlich vorgeschrieben und einer der zuverlässigsten Indikatoren für die grundsätzliche Zusammensetzung eines Futters.


Allerdings gibt es einen Trick, den einige Hersteller gezielt einsetzen: das sogenannte Splitting. Dabei wird eine einzelne Zutat in mehrere Unterkategorien aufgeteilt, die dann an verschiedenen Stellen der Liste auftauchen. Statt „Mais" steht dann „Maismehl" an dritter Stelle, „Maisgrieß" an fünfter und „Maiskleber" an siebter Position. Einzeln betrachtet rutscht jede dieser Positionen in der Liste nach hinten — zusammengenommen wäre Mais aber möglicherweise die Hauptzutat und würde an erster Stelle stehen. Dieses Verfahren ist legal und weit verbreitet, erschwert aber die transparente Einschätzung erheblich.


Wer Splitting erkennen möchte, sollte die Zutatenliste gezielt nach Varianten derselben Grundzutat durchsuchen. Typische Kandidaten sind Mais, Reis, Weizen und Kartoffel, die jeweils in diversen Verarbeitungsformen auftauchen können. Auch bei tierischen Bestandteilen kommt Splitting vor — etwa wenn „Geflügelfleisch", „Geflügelleber" und „Geflügelfett" separat aufgeführt werden, obwohl sie aus derselben Quelle stammen. Hier ist der Effekt allerdings weniger irreführend, da die Aufschlüsselung dem Verbraucher eher nutzt als schadet.

Ein weiterer relevanter Punkt ist der Unterschied zwischen Frischfleisch und Trockenfleisch in der Deklaration. Frischfleisch enthält etwa 70 Prozent Wasser.


Wenn ein Hersteller „60 % frisches Hühnerfleisch" angibt, klingt das beeindruckend, doch nach Entzug des Wassers während der Verarbeitung bleiben davon nur etwa 18 bis 20 Prozent Trockensubstanz übrig. Eine Angabe von „30 % getrocknetes Hühnerfleisch" wäre in der Trockensubstanz also deutlich mehr tierisches Protein. Diesen Unterschied zu kennen, schützt vor Fehleinschätzungen.


Analytische Bestandteile verstehen

Unterhalb der Zutatenliste finden sich die sogenannten analytischen Bestandteile. Sie geben den Nährstoffgehalt des Futters in Prozent an und sind für jeden Hersteller verpflichtend. Die vier Standardwerte sind Rohprotein, Rohfett, Rohasche und Rohfaser. Rohprotein bezeichnet den Gesamtgehalt an Eiweiß im Futter, sagt aber nichts über dessen Herkunft oder biologische Wertigkeit aus. Pflanzliches Protein aus Soja oder Mais ist für Hunde deutlich schlechter verwertbar als tierisches Protein aus Muskelfleisch oder Innereien. Ein hoher Rohproteinwert allein ist daher kein Qualitätsmerkmal — er muss im Zusammenhang mit der Zutatenliste gelesen werden.


Rohfett umfasst alle Fette und Öle im Futter und ist eine wichtige Energiequelle. Für normalgewichtige, aktive Hunde ist ein moderater Fettgehalt wünschenswert, während übergewichtige Hunde oder solche mit Pankreasproblemen einen niedrigeren Fettgehalt benötigen. Auch hier sagt der reine Prozentsatz wenig über die Qualität der Fettquelle aus — hochwertiges Lachsöl und minderwertiges tierisches Fett werden gleichermaßen als Rohfett erfasst.


Rohasche ist ein häufig missverstandener Begriff, der regelmäßig für Verunsicherung sorgt. Er hat nichts mit Asche im wörtlichen Sinne zu tun, sondern beschreibt den mineralischen Rückstand, der nach Verbrennung einer Futterprobe bei 550 Grad Celsius übrig bleibt. Dieser Wert gibt Hinweise auf den Gesamtmineralstoffgehalt. Ein Rohaschewert zwischen 5 und 8 Prozent gilt bei Nassfutter als normal. Deutlich höhere Werte können auf einen hohen Anteil an Knochenmehl oder minderwertigen Nebenerzeugnissen hindeuten, bei denen der Mineralstoffgehalt überproportional hoch ist. Deutlich niedrigere Werte können darauf hinweisen, dass das Futter insgesamt mineralstoffarm ist.


Rohfaser schließlich bezeichnet die unverdaulichen Pflanzenbestandteile, die für die Verdauungsregulation wichtig sind. Sie fördern die Darmperistaltik und unterstützen eine gesunde Darmflora. Ein Rohfasergehalt zwischen 1 und 3 Prozent ist bei den meisten Futtersorten üblich. Sehr hohe Werte können auf einen übermäßigen Einsatz pflanzlicher Füllstoffe hindeuten, die zwar die Verdauung anregen, aber den Nährstoffgehalt des Futters insgesamt verdünnen.


Was fehlt auf dem Etikett

Mindestens ebenso aufschlussreich wie das, was auf der Verpackung steht, ist das, was nicht darauf steht. Die meisten Hersteller sind nicht verpflichtet, den genauen Fleischanteil in Prozent anzugeben, wenn sie geschlossen deklarieren. Auch die geografische Herkunft der Rohstoffe, die Art der Verarbeitung, die Schlachtbedingungen und der Anteil an synthetischen Zusatzstoffen bleiben häufig im Dunkeln. Manche Hersteller geben freiwillig an, dass ihre Rohstoffe aus Deutschland oder Europa stammen, doch eine gesetzliche Pflicht besteht dafür nicht.


Ein kritischer Blick auf die Zusatzstoffe lohnt sich ebenfalls. Vitamine und Spurenelemente werden in der Regel synthetisch zugesetzt, weil der Herstellungsprozess — insbesondere die Hochtemperaturverarbeitung bei Trockenfutter — einen Teil der natürlich enthaltenen Nährstoffe zerstört. Ein Futter, das besonders viele synthetische Zusätze benötigt, enthält möglicherweise weniger hochwertige Ausgangsrohstoffe oder wurde besonders intensiv verarbeitet. Umgekehrt ist ein gewisses Maß an Supplementierung bei industriell hergestelltem Futter normal und kein automatisches Qualitätsmerkmal in die eine oder andere Richtung.


Auch der Feuchtigkeitsgehalt verdient Beachtung, obwohl er nicht immer angegeben wird. Bei Nassfutter liegt er typischerweise zwischen 70 und 85 Prozent, bei Trockenfutter zwischen 8 und 12 Prozent. Dieser Unterschied ist entscheidend für die Vergleichbarkeit: Um Nass- und Trockenfutter anhand ihrer analytischen Werte sinnvoll gegenüberzustellen, müssen die Nährstoffgehalte auf die Trockensubstanz umgerechnet werden. Ohne diese Umrechnung vergleicht man Äpfel mit Birnen.


Fazit

Die Futterdeklaration ist kein Marketinginstrument, sondern ein Informationswerkzeug — wenn man es zu nutzen weiß. Hundehalter, die sich mit den Grundlagen der offenen und geschlossenen Deklaration, der Reihenfolge der Zutaten, dem Splitting-Problem und den analytischen Bestandteilen vertraut machen, können die Qualität eines Futters deutlich besser einschätzen als beim bloßen Blick auf den Markennamen oder die Verpackungsgestaltung. Dabei gilt: Transparenz seitens des Herstellers ist immer ein gutes Zeichen — und ein kritischer, informierter Blick des Verbrauchers das beste Werkzeug, um gutes von schlechtem Futter zu unterscheiden.

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